Tribut an Carl Benz e.V. Karlsruhe

ARD Historiendrama Carl und Bertha

(TV Erstausstrahlung am 23. Mai 2011)

Auf die Gefahr hin, mit den nachfolgenden Ausführungen mehr Unverständnis als Zustimmung zu ernten, veranlasste mich die ARD Produktion vom Spätjahr 2010 dazu, meinen Kommentar abzugeben.

Damit kein Missverständnis aufkommt – ich habe verstanden, dass das Drehbuch nie den Anspruch erhob, historische Fakten sklavisch korrekt aufzubereiten und diese in einer 90minütigen Spielfilmhandlung zu komprimieren.

Vielmehr sollte an einem prominenten Beispiel der Beweis erbracht werden, dass Liebe tatsächlich in der Lage ist „Berge zu versetzen“.

Gleichzeitig Mahnung, dass nur in einer von gegenseitigen Respekt und Gleichberechtigung geprägten Beziehung Visionen wahr werden können.

Dass diese Botschaften über dokumentarische Ansprüche obsiegen, ist sogar legitim.

Problematisch allerdings, wenn die unvermeidbare Einbeziehung historischer Motive, welche letzten Endes Anlass, wie auch roter Faden für die gewünschte Quintessenz der Handlung waren, mehr zur Verwirrung beitragen, als dies dramaturgisch zwingend erforderlich gewesen wäre.

Die ersten zwanzig Minuten des Films bestehen beispielsweise komplett aus fiktiven Begebenheiten.

Weder lernten sich Carl Benz und Bertha Ringer auf einem hochherrschaftlichen Ball kennen (sondern wesentlich profaner auf einem Wanderausflug zum Kloster Maulbronn), noch war die künftige Braut jemals verlobt und schon gar nicht mit dem Filius eines gewissen Herrn von Mannstedt – welchen es nämlich nie gegeben hat.

Logisch, dass sich der polternde Auftritt des jungen Carl Benz somit auch nie zutrug.

Genauso wenig, wie dass er hierbei von seinem Geschäftspartner August Ritter begleitet wurde. Diesen sollte er erst später in Mannheim kennen lernen und mit der Mitgift seiner Braut ausbezahlen.

Zudem betrieb Carl Benz zu seinen Pforzheimer Zeiten niemals eine eigene Werkstatt, sondern bestritt seinen Lebensunterhalt als angestellter Ingenieur.

Romantisch stark verklärt wirkt die Darstellung von Mannheim im weiteren Verlauf der Handlung. Schließlich lag die Werkstatt nicht innerhalb einer pittoresken dörflichen Idylle, sondern im Zentrum einer stark prosperierenden Industriestadt. An diesem Gesamteindruck ändert auch wenig die alibihaft filmische Gestaltung rauchender Schlote im Hintergrund.

Die Darstellung des Mannheimer Hofphotographen Emil Bühler als Teil der Handlung ist allerdings recht gut gelungen.

Nicht so der Anlass der Trennung.

Keinesfalls war hierfür eine Daimlerische Patentverletzung zur Glührohrzündung ursächlich, sondern Differenzen bezüglich der künftigen geschäftlichen Ausrichtung.

Benz verfolgte die Weiterentwicklung seines, wie er selbst formulierte, „Lieblingsideal – dem Motorwagen“, während seine Geldgeber lediglich an der Serienproduktion ortsfester Gasmotoren interessiert waren.

Zudem war der erwähnte Patentverstoß auch niemals Anlass erbitterter Prozesse zwischen Daimler und Benz, sondern zwischen Daimler und Otto bzw. der Deutzer Gasmotorenfabrik.

Auch im weiteren Verlauf der Handlung werden Namen und Ereignisse munter in einem dramaturgischen Potpourri aus Fakten und Fiktionen im Stil einer Courths-Mahler Novelle vermischt. Beispielhaft der plötzliche Tod Friedrich Ringers 1883, obwohl dieser sich noch 1886 unbändig (Zitat Bertha Benz) über die ersten erfolgreichen Fahrversuche freute.

Das Recht auf künstlerische Freiheit sollte jedoch bei bewusster Einbeziehung historischer Fakten nur eingeschränkt ein Freibrief für Phantastereien sein.

Insbesondere, wenn die Überschreitung dieser imaginären Linie dem Zuschauer somit Begebenheiten und Zusammenhänge vorgaukelt, welche mangels Hintergrundwissen die Gefahr bergen, für bare Münze genommen zu werden.

So kommt es am Vortag der legendären Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim, gemäß Drehbuch, zu einer Begegnung zwischen Benz und Daimler.

Dem nicht genug, lässt sich Benz hierbei zu der Aussage „vielleicht sollten wir uns eines Tages zusammentun“ hinreißen. „Cut !!“ möchte man, um in der Filmsprache zu bleiben, spätestens jetzt rufen.

Denn erstens hatten Daimler und Benz niemals auch nur ein Wort miteinander gewechselt (bestenfalls kam es frühestens im Jahr 1897 zu einem „Sichtkontakt“).

Zweitens lag es beiden Firmengründern immer fern, mit dem jeweils anderen zu fusionieren. Der Zusammenschluss Jahrzehnte danach war alleine wirtschaftlichen Zwängen geschuldet.

Drittens fand die Ausstellung, welche vermutlich als Ursprungsidee dieses Treffens diente, erst im September 1888 in München statt und viertens wurde Carl Benz hierbei nicht mit Verachtung gestraft, sondern mit der höchsten Auszeichnung prämiert.

Die wiederholte Darstellung eines im Anschluss vollständig demoralisierten, von Regen durchnässten Carl Benz, zunächst als filmische Einstimmung, später im Handlungsbogen, verdient somit bestenfalls das Prädikat „Geschichtsklitterung“.

Dass es sich bei einem weiteren wichtigen Protagonisten, dem Benz Patent Motorwagen um alles andere, als um ein baugleiches Exemplar der Fernfahrt handelt, sollte zumindest am Rande erwähnt werden.

Das im Film eingesetzte Vehikel wäre auf Grund seines Entwicklungsstadiums vermutlich niemals am Ziel angekommen. Tatsächlich fuhren Bertha Benz und Ihre Söhne mit einer deutlich verbesserten Weiterentwicklung des Urmodells, genannt „Typ III“, nach Pforzheim.

Da von diesem Fahrzeug so gut wie keine Originale mehr existieren und Nachbauten (anders wie das Filmmodell vom Typ I) bisher nicht realisiert wurden, wäre dessen filmischer Einsatz auf unlösbare Probleme gestoßen.

Würde an meinem persönlichen Fazit „Drama“ stark, „historisch“ sehr schwach aber auch nichts ändern.

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